Reisekostenreform im Steuerrecht

Grundsätze ab dem 1. Januar 2014


„Erste Tätigkeitsstätte“ und Fahrtkosten

Ab 2014 hat der Begriff der „ersten Tätigkeitsstätte“ eine wichtige und zentrale Bedeutung für die Beurteilung von steuerlich zu berücksichtigenden Reisekosten; der bisher verwendete Begriff „regelmäßige Arbeitsstätte“ fällt damit weg.

 

 

Was gilt als „erste Tätigkeitsstätte“?

Gemäß § 9 Abs. 4 EStG n. F. ist die erste Tätigkeitsstätte die ortsfeste betriebliche Einrichtung des Arbeitgebers, eines verbundenen Unternehmens oder auch eines vom Arbeitgeber bestimmten Dritten (wie z. B. beim Kunden oder in sog. Outsourcing-Fällen), die der Arbeitnehmer vom Arbeitgeber z. B. arbeitsvertraglich dauerhaft zugeordnet wird.

 

Eine dauerhafte Zuordnung ist grundsätzlich dann gegeben, wenn der Arbeitnehmer an der Tätigkeitsstätte unbefristet oder für die gesamte Dauer des Beschäftigungsverhältnisses oder alternativ länger als 48 Monate beschäftigt werden soll. Liegen diese Voraussetzungen nicht vor oder ist die Zuordnung im Einzelfall nicht eindeutig, wird die betriebliche Einrichtung als erste Tätigkeitsstätte angesehen, an der der Arbeitnehmer typischerweise arbeitstäglich oder 2 volle Arbeitstage pro Arbeitswoche oder mindestens ein Drittel seiner vereinbarten regelmäßigen Arbeitszeit tätig werden soll.

 

Ein Arbeitnehmer kann nur höchstens eine erste Tätigkeitsstätte pro Arbeitsverhältnis haben. Liegen die genannten Voraussetzungen bei mehreren Tätigkeitsstätten vor, kann der Arbeitgeber die erste Tätigkeitsstätte bestimmen, anderenfalls ist die der Wohnung am nächsten liegende Tätigkeitsstätte als erste Tätigkeitsstätte anzusehen.

 

Bei Vollzeitstudenten gilt die Bildungsstätte als erste Tätigkeitsstätte.

 

Fahrzeuge, ein Home-Office oder ein weiträumiges Tätigkeitsgebiet ist allerdings keine erste Tätigkeitsstätte.

 

 

Wie bisher: Entfernungspauschale für Fahrten zur ersten Tätigkeitsstätte
Für Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte sowie für eine Familienheimfahrt pro Woche bei doppelter Haushaltsführung kann auch weiterhin die Entfernungspauschale als Werbungskosten abgezogen werden. Ab 2014
werden dabei allerdings die vom Arbeitgeber für diese Fahrten gewährten Sachbezüge (z. B. Monatskarte für den ÖPNV) auf die Entfernungspauschale angerechnet und mindern so den Werbungskostenabzug, wenn sie wegen der Freigrenze von 44 Euro (§ 8 Abs. 2 letzter SatzEStG) steuerfrei sind.

 


Fahrten zu weiteren Tätigkeitsstätten
Für berufsbedingte Fahrten zu anderen Einsatzstätten gelten die bekannten Reisekostengrundsätze: Es können in diesem Zshg. wie bisher die tatsächlich entstandenen Kosten bzw. die Kilometer-Pauschalen (z. B. PKW: 0,30 Euro für jeden gefahrenen Kilometer) geltend gemacht werden.

 

Hat der Arbeitnehmer keine erste Tätigkeitsstätte, sondern ist er verpflichtet, stattdessen dauerhaft einen bestimmten Ort (z. B. Busdepot) oder ein weitläufiges Tätigkeitsgebiet (z. B. Hafen) aufzusuchen, so gelten für die
Fahrten zu diesem Ort bzw. zu dem von der Wohnung aus nächstgelegenen Zugang zum Tätigkeitsgebiet die gleichen Regelungen wie für Fahrten zur ersten Tätigkeitsstätte, d. h., hier gilt die Entfernungspauschale. Für Mehrkilometer zu einem entfernteren Zugang und für Fahrten innerhalb des Tätigkeitsgebiets gelten die einschlägigen Reisekostengrundsätze.

 

 

Beispiel:
Die Entfernung von der Wohnung des Hafenarbeiters A zur nächstgelegenen
Zufahrt zum Hafen beträgt 20 km. A wird auch in einem entfernteren Teil des Hafens eingesetzt; an diesen Tagen fährt A mit dem PKW zu einem
50 km von der Wohnung entfernten Zugangspunkt. A kann für diese Fahrten
folgende Beträge als Werbungskosten geltend machen:


Für die ersten 20 km die
Entfernungspauschale (20 km x 0,30 €) = 6 €

 

Für die weiteren 30 km für Hin-/ Rückweg zusammen (30 km x 2 x 0,30 €) = 18 €

 

Als Werbungskosten abzugsfähig 24 €

 

 

Erstattung durch den Arbeitgeber


Die nach Reisekostengesichtspunkten ermittelten Fahrtkosten (z. B. bei Benutzung des privaten PKW oder der Bahn) kann der Arbeitgeber seinen Arbeitnehmern weiterhin lohnsteuerfrei erstatten (§ 3 Nr. 16 EStG).

 

Zuschüsse zu den Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte kann der Arbeitgeber – wie bisher – mit 15 % (zuzüglich Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer) pauschal versteuern; in diesem Umfang hat der Arbeitnehmer allerdings keinen Werbungskosten abzug. Diese lohnsteuerfreien bzw. pauschalversteuerten Arbeitgeberleistungen unterliegen dabei nicht der Sozialversicherung.

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